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Sie und Er fahren zu IKEA. Kann das gut gehen, wenn
Parkplatzsuche, Köttbullar und die Frage: "Passt das überhaupt ins Auto?"
den Tag überschatten?
Die Anfahrt
Der Samstag könnte so schön sein. Lange ausschlafen, frische Croissants,
ein schöner Pott Kaffee zum Sportteil der Zeitung - sein Traum. Ihrer heißt
aufstehen, anziehen, Blitz-Make-up auflegen und ab ins Auto. Denn der Weg zu
IKEA ist lang und steinig. Raus aus der Stadt, rauf auf die Autobahn, und
dann immer den Volvos mit den Elch-Aufklebern nach. Drei Kilometer vor der
Abfahrt beginnt dann der stockende Verkehr. Im Kriechtempo auf den
Parkplatz, wo sich Langzeitstudenten einen Spaß daraus machen, Parklücken
anzuzeigen, wo gar keine sind. Das heißt einmal raus aus dem Gelände, an die
Schlange hinten anstellen und wieder rein, bis zum kleinen Erfolgserlebnis.
Sein Kopf sinkt ermattet aufs Lenkrad, während sie voller Vorfreude den
Katalog aufschlägt. "Los jetzt, bummeln!"
Das Einkaufen
Sie hat den Katalog unter der Nase und fühlt an diversen Stoffmustern.
Er liest die Namen seiner Lieblingsmöbel und fühlt sich wie in einem
Beate-Uhse-Shop. Iviken. Findet er gar nicht. Außer vielleicht hier im
Moment vor all den milchbärtigen Wohnungs-Erstaustattern. Strimma. Naja,
nicht immer. Bromma. Hat die Frau vor ihm, Mann-o-Mann. Wahrscheinlich ist
sie auch eine Granate im Bett. Ja Fögdo nochmal. Er bricht vor Lachen
zusammen. Leksvik. Viktig. Hellvik. Aber im Dunkeln ist auch nicht schlecht.
"Kannst du nicht einmal bei der Sache bleiben? Die Sachen sind schließlich
für unsere Wohnung!" |
Die Mittagspause
Weil es im Restaurant eine Spielecke und Umsonst-Brei für die Kleinen
gibt, sind die auch äußerst zahlreich vorhanden. Mit einer doppelten Portion
Köttbullar marschiert er an einen möglichst weit entfernten Tisch. Sie kommt
mit einem vegetarischen Pyttipanna hinterher. "Warum setzen wir uns nicht
ans Fenster?" Um draußen den Idioten beim Einladen zuzuschauen, die
vergeblich versuchen, ihren Krempel in einem Polo zu verstauen?" Schweigend
essen sie die Gerichte, die Schweden für Jahrhunderte den Einstieg in die
europäische Spitzengastronomie unmöglich machen.
Das Beladen
"Ich habe doch gesagt, das passt niemals in unser Auto!" Räumliches
Vorstellungsvermögen war schon immer Männersache. "Wenn wir es geschickt
stapeln, geht das locker." Pragmatismus war schon immer Frauensache. Aber
passen die zwei Billys Birkenfurnier, das Tomelilla-Sofa mit Bezug Alme
blau, das Benno Wandregal Birke, die Dunö Standleuchte und die Fagerum
Anrichte in Kiefer, antik gebeizt und klar lackiert wirklich in den
Kofferaum ihres Fiat Punto? Und welche Designer kommen eigentlich auf die
Idee, die komplette Anrichte in einem nahezu quadratischen Karton
unterzubringen, den nicht mal Witali Klitschko ohne Schweißausbruch von der
Stelle bewegen würde? "Nun stell dich nicht so an, den hat Frank sogar in
ihre Wohnung im vierten Stock getragen."
Das Aufbauen
In Schweden gehört das Fach Möbelaufbau zu den Unterrichtsfächern, die
von der ersten Klasse bis zum Abitur nicht abgewählt werden dürfen. Deshalb
können Schweden sogar mit verbundenen Augen, zwei Promille Alkohol im Blut,
einer Nagelschere und in Anwesenheit ihrer Frau ein Bonde-Regal in fünf
Minuten aufbauen. Er kann das hingegen nicht. Weder in fünf Minuten noch
ohne alle Einschränkungen. "Kannst du mal halten?" "Was denn?" "Na, das
Seitenteil. Da werden jetzt die beiden Böden verschraubt." "Dauert das noch
lange?" "Ich finde die Schrauben nicht." "Sind die nicht in der Tüte?"
"Welcher Tüte?" "Vorhin lag da unter der Pappe eine Tüte mit Schrauben."
"Wo?" "Da drunter." Während er aufstöhnend sucht, liegt der Sportteil seiner
Zeitung noch jungfräulich auf dem Küchentisch, neben der angebrochenen Tüte
mit Croissants. |
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